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ELVENPATH, “man muß immer wieder versuchen, den Weg zurück ins Licht zu finden”

by on Apr.29, 2015, under INTERVISTE

PhotoElvenpathVon 15 Jahren halten ELVENPATH die Flamme des Deutschen Power Metal lebendig. Seit kurzem haben die Frankfurter das vierte Album “Pieces of Fate” veröffentlicht: darüber sprechen wir mit Till Oberboßel, Gitarrist und Leader der Gruppe. Viel Spaß beim lesen! 

Hi Till, Dankeschön für dieses Interview! So, das ist das vierte ELVENPATH-Album… deine Band hat eine 15-jährige Karriere und sie ist gut bekannt, in Deutschland aber auch im Ausland. Bist du zufrieden oder willst du noch etwas mehr?

Hallo Renato und vielen Dank an Dich für Dein Interesse und dieses Interview. (lesen Sie es auf Italienisch)

Ganz so lange sind wir ja noch nicht dabei – das erste Demo kam vor 13 Jahren raus, aber das ist natürlich doch schon eine recht lange Zeit. Und die Band ist langsam aber kontinuierlich gewachsen. In den letzten drei Jahren lief es besser für uns als jemals zuvor. Ich hoffe natürlich, daß wir das noch ein wenig ausbauen können. Wir möchten gerne noch etwas mehr in verschiedenen Ländern spielen, bis jetzt haben wir noch nicht so viele Gigs im Ausland gespielt. Es ist also noch Raum nach oben.

So, sprechen wir über „Pieces of Fate“ und fangen wir beim Cover an… es ist echt wunderschön!!!

Vielen Dank! Ich bin auch sehr begeistert davon – da hat Markus Vesper ein wirkliches Meisterwerk geschaffen. Wir haben ihm nur einige grobe Ideen genannt und er hat dann dieses sehr detaillierte und schöne Werk umgesetzt. Wir wollten diesmal für das Album eine Art barocke Optik, daher die Bandfotos in einem Opernsaal und eben das Cover. Es sieht insgesamt wirklich sehr edel aus. Leider kommen in der Größe des CD-Covers viele Details gar nicht richtig zur Geltung, deshalb hoffe ich, daß wir eine Vinylversion des Albums machen können.

Die Lieder, die mir am besten gefallen, sind das lange „Testament of Tragedy“ (Bathory vs. Old Manowar?!?) und das klassische „Wild Boars of Steel“, das mit dem Grunzen eines Wildschweines startet… J Willst du mir etwas mehr über sie erzählen?

Mit „Testament of tragedy“ haben wir zum ersten Mal seit dem „Spyrol“-Album wieder eine Ballade am Start. Sie ist sehr episch – die Einflüsse von Manowar und Bathory kann man da sicherlich nicht leugnen. Da haben wir mit Pathos und Dramatik mal so richtig den Hahn aufgedreht, haha. Textlich geht es um eine Vision vom Kampf um die Welt, aber das kann man auch in verschiedenen Zusammenhängen sehen. Man steht jeden Tag vor der Entscheidung, was man mit seinem Leben anfangen will und es ist wichtig, sich für das richtige zu entscheiden. Auch wenn es Opfer erfordert – man muß das tun, was man für richtig hält. Und wenn der Kampf um die Rettung der Welt tobt, muß man sich auf die richtige Seite stellen.

„Wild boars of steel“ ist ein Song, den wir für unsere Freunde vom Taunus-Metal-Verein (http://www.taunus-metal.de)geschrieben haben. Das ist ein Verein von Metalfans hier bei Frankfurt, mit dem wir schon seit Jahren freundschaftlich verbunden sind und wir unterstützen uns gegenseitig. Sie hatten sich gewünscht, daß wir eine Vereinshymne für sie schreiben – wie hätten wir da nein sagen können?

Den Song haben wir 2013 zusammen mit dem Verein aufgenommen und als limitierte Single veröffentlicht, aber diese Version sollte exklusiv bleiben, daher haben wir den Song für das neue Album nochmal neu aufgenommen. Es ist ein sehr direkter, eingängiger Song mit vielen Anspielungen auf den Taunus (das ist die Gegend, nach der der Verein benannt ist – bei Wikipedia nachschlagen) – und das Wildschwein ist das Maskottchen des Vereins, also mußten wir die Tiere auch beim Intro zu Wort kommen lassen, haha.

Mehrere Texte sind auch sehr interessant… „The Liars’ Dance“ bietet eure Vision der Politik, „On the Elvenpath“ ist vielleicht das Manifest eurer Poetik… oder?

Es war uns immer wichtig, textliche Vielfalt zu bieten. Wir waren nie eine Band, die Texte nur über ein einziges Thema geschrieben hat. Und „The liars‘ dance“ handelt natürlich von Politik – genauer gesagt von den leeren Versprechen, die nach der Wahl nichts mehr wert sind. Das kennt jeder, überall wo es Wahlen gibt. Wir haben durchaus politisches Interesse und es gibt manche Politiker, von denen ich etwas halte – aber vertrauen kann ich keinem mehr.

„On the Elvenpath“ ist eine recht düstere Geschichte eines Menschen, der sich in einem dunklen Wald verirrt. Das kann man wörtlich sehen, aber wichtiger ist die Interpretation im übertragenen Sinn. Jeder muß sich negativen Ereignissen in seinem Leben stellen, auch wenn es ein schwerer Kampf ist. Aber man muß immer wieder versuchen, den Weg zurück ins Licht zu finden. Und wenn man sich auf seine Stärken besinnt, dann klappt das auch. Es ist also trotz aller Dunkelheit ein positiver Text, der aussagt, daß man vieles schaffen kann, wenn man nur fest an sich selbst glaubt.

Heavy Metal, Heavy/Power Metal, Power Metal, Deutscher Power Metal im 80er-Jahre Stil… was spielen ELVENPATH? Und was sind die Bands, die euch inspirieren?

Heutzutage braucht man ja mindestens fünf Adjektive vor dem Wort Metal, haha. Ich würde sagen, wir spielen einfach Power Metal, darunter können sich die meisten Leute etwas vorstellen. Wenn jemand anders lieber Heavy Metal oder Melodic Metal oder Pommes-mit-Ketchup-und-Majo-Metal sagt, ist mir das auch recht. Es sind nur Worte – wer sich für uns interessiert, muß sich die Musik schon selbst anhören.

Unsere Inspirationen kommen aus ganz verschiedenen Richtungen, aber Bands, die wir alle mögen und uns beeinflußt haben, sind: Iron Maiden, Blind Guardian, Manowar, Bathory, Helloween, Judas Priest, Jag Panzer…und noch einige mehr.

Warum habt ihr so viele Line-Up-Änderungen als Band? Ist es so schwer, gute Musiker (und Freunde) für eine Heavy-Metal-Band zu finden?

So viele Änderungen hatten wir in letzter Zeit doch nicht. Cris und ich sind von Anfang an dabei, Dragutin seit 2008, Oli seit 2009. Lediglich auf der Schlagzeugposition gab es seitdem Wechsel. Vor 2008 war es aber in der Tat etwas turbulenter bei uns. Eine Besetzung muß halt musikalisch und persönlich zusammenpassen, und das hat nicht immer so gut geklappt. Die Gründe für eine Trennung waren dabei unterschiedlich – manchmal waren es unterschiedliche musikalische Vorstellungen, manchmal persönliche Differenzen, manchmal Zeitmangel…mit der aktuellen Besetzung bin ich aber sehr zufrieden. Seit dem Sommer 2014 haben wir mit Manuel auch einen hervorragenden Schlagzeuger an Bord, der sehr gut zu Elvenpath paßt; ich bin zuversichtlich, daß diese Besetzung jetzt wirklich halten kann.

Ich hätte noch ein Paar Fragen über eure Vergangenheit… ich folge eurer Karriere von Anfang an! J Und ich denke, dass das beste ELVENPATH-Lied im allgemeinen „Guardians of the Underground“ ist. Bist du einverstanden? Was denkst du über dieses Lied?

Tja, die Jahre ziehen ins Land…umso bemerkenswerter, daß Du immer noch zusammen mit Elvenpath am Start bist, haha.

„Guardians of the underground“ ist sicherlich einer unserer besten Songs, der wurde in Kritiken sehr hervorgehoben und auch viele Fans mögen diesen Song besonders gerne. Mir scheint, uns ist da wirklich ein bescheidener Klassiker gelungen, haha. Live sind die Reaktionen des Publikums bei dem Song auch immer sehr gut.

„Guardians of the underground“ ist ein Stück über den Metal-Underground. Über die Bands, die Vertriebe, die Konzertveranstalter und natürlich die Fans. Der Underground ist heutzutage lebendiger als je zuvor und bringt häufig bessere Qualität hervor als die bekannten, großen Bands. Ob als Musiker oder als Fan – ich fühle mich im Underground zu Hause, kaufe viele CDs von kleinen Bands und treibe mich auf kleinen Konzerten und Festivals herum. Das gibt mir mehr als große Veranstaltungen. Und es ist wichtig, daß der Underground weiter unterstützt wird, denn hier hat der Heavy Metal seine Wurzeln.

Als Album als Ganzes mag ich aber „Spyrol“ mehr. Was kannst du mir über „Northern Son“ erzählen?

Dieses Stück habe ich damals als Hommage an Quorthon geschrieben, nachdem er so plötzlich gestorben war. Bathory war immer eine meiner absoluten Lieblingsbands gewesen, ihre Musik hat mir immer sehr viel bedeutet, und als Quorthon dann plötzlich starb, fühlte ich mich, als sei ein Verwandter oder guter Freund gestorben. Ich mußte das irgendwie verarbeiten und ich wollte ihm auch ein Denkmal setzen, quasi als Dank für alles, was seine Musik mir gegeben hatte. Ich hoffe, der Song ist seiner würdig geworden…vielleicht treffe ich ihn ja eines Tages in Walhall und kann ihn fragen.

Vor ein paar Jahren habt ihr beim „Up the Hammers“-Festival in Griechenland gespielt… ich war im März dort, um das 10-jährige Jubiläum des Festivals zu feiern. Wie war die Erfahrung, in Athen zu spielen?

Athen war klasse! Wir waren im Oktober 2013 dort und mit der Show in Griechenland ging für uns ein jahrelanger Traum in Erfüllung. Leider waren nicht so viele Leute da wie gehofft (Manolis, der Veranstalter, hat an dem Tag ganz schön Minus gemacht), aber es war trotzdem wunderbar. Das griechische Publikum war sehr gut zu uns und es war schön, einige Leute, mit denen ich schon lange in Kontakt war, endlich mal persönlich kennenzulernen. Wir haben auch einiges von Athen gesehen, es war ein langes Wochenende voller Kultur, Party und Heavy Metal! Ich hoffe sehr, daß wir irgendwann zurückkehren können…Heavy Metal re mounia!

Und was ist mit zukünftigen Liveshows? Wie war die Release-Party? Habt ihr noch Auftritte für den Sommer organisiert?

Unsere Releaseparty war ein voller Erfolg, ein schöner Geburtstag für das neue Album. Letzte Woche haben wir beim Taunus Metal Festival gespielt, das war auch klasse. Für den Sommer sind noch einige weitere Festivals bestätigt: Wir werden auf dem M.I.S.E. Open Air spielen, beim Steel Meets Steel Festival und beim Rocken Festival. Einige andere Gigs sind ebenfalls bestätigt und wir arbeiten noch an mehr…schaut einfach ab und zu auf unsere Homepage, dort findet Ihr alle bestätigten Gigs mit allen Details.

Und wie geht’s mit deinem anderen Projekt „Lucid Dreaming“? Wann wirst du den zweiten Teil der Saga veröffentlichen?

Es geht langsam voran…das Album ist zum Teil aufgenommen, aber es dauert immer eine Weile, bis alles fertig ist…realistisch ist, daß die Aufnahmen bis zum Jahresende fertig sind. Eine Veröffentlichung wird es also irgendwann 2016 geben. Einige Sänger vom ersten Album werden wieder dabei sein, andere nicht, dafür werden einige neue Stimmen zu hören sein…wartet es ab!

Ok Till, Dankeschön für deine Zeit, will du die italienischen Leser grüßen?

Aber natürlich. Vielen Dank an alle, die bis hierher alles gelesen haben. Ich hoffe sehr, daß wir irgendwann mal in Italien spielen können (bucht uns!). Besucht unsere Homepage www.elvenpath.com und hört mal in die Songs rein – und wenn sie Euch gefallen, kontaktiert uns.

Vielen Dank an Dich, Renato, für die Gelegenheit, daß wir uns hier präsentieren durften! Du hast ein Bier bei mir gut, haha.

(Renato de Filippis)

Rezension

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